Ein kleiner Schritt mit grosser Wirkung

«Ein kleiner Schritt für die Menschen, aber ein grosser Sprung für die Menschheit»

Das waren im Jahre 1969 die Worte von Neil Armstrong als er den Mond betrat.

Viele werden sich jetzt fragen: »Was hat das mit Karate zu tun?»

Nach meiner Meinung sehr viel…

Dieser kleine Schritt beschäftigt viele Karatekas, bevor sie mit dem wirklichen Training beginnen. Aber ist es wirklich nur dieser eine magische Schritt?

Ist es nicht eher die Angst vor dem Unbekanntem, vom Verletzt werden, die Angst vor dem Kampf oder der Vorstellung versagen zu können. Eine von Natur gegebene Hemmschwelle, die jeder von uns in sich hat.

Wenn ich im Text zurück schweife zu Neil Armstrong, so hat auch er einen magischen Schritt getan. Für mich persönlich nicht den ersten Schritt auf die Mondoberfläche, sondern den Schritt über die Schwelle in die Apollo 11 die zum Start bereit zum Mondflug war. Es müssen die gleichen gemischten Gefühle der Freude und Ängste gewesen sein, wie ein Karateka, der das erste Mal ein Dojo für das erste Training betritt.

Mit einem kleinen aber überaus feinen Unterschied auf den ich später zukommen will…….

Als ich kürzlich mit einem Vater in Diskussion war, sein Kind trainiert bereits Karate in meinem Dojo, beschäftigte ich mich genau mit diesem Thema. Er verriet mir im Gespräch, dass er schon als Jugendlicher Karate trainieren wollte aber nie den Mut dazu gefunden hat. Er meinte auch, dass er heute zu alt dafür sei und die Hemmschwelle zu gross ist.

Nun, was ist es wirklich, was uns hindert, genau diesen entscheidenden Schritt zu gehen. Den Schritt in das Dojo um einfach unter Gleichgesinnten mit zu trainieren.

Ich glaube, es ist das aufgenommen momentane Bild des Trainings, welches der Zuschauer über die Jahre im Kopf gespeichert hat. Die körperliche Gewalt, die das Training ausstrahlt, der unmittelbare Vergleich vom Gesehenen und seiner eigenen Einschätzung des Könnens oder der unbewussten Beantwortung der eigenen Frage, kann ich das? Der asiatische Sport der Kampfkunst, der Endgültigkeit oder doch der Vorstellung, dass ich jemanden verletzen könnte.

Zurückkommend auf den überaus wichtigen Unterschied:

Nun, wir vergessen in der ganzen Gefühlswelt, dass wir jederzeit das Training wieder abbrechen können, wenn es uns nicht behagt oder nicht zusagt. Und solange wir das nicht ausprobiert haben, können wir auch nicht sagen, ob es uns gefällt oder nicht, ob wir es können oder nicht………

Wir werden durch Karate lernen, nicht zu schnell aufzugeben, der Durchhaltewillen wird gestärkt. Die Beschäftigung mit sich selbst und den eigenen Schwächen sind die Stärken eines Karatekas und vor allem im Üben von Geduld. Der Wert des Trainings stellt sich erst nach und nach mit der Zeit ein. Karate gibt Kraft und die ganze Persönlichkeit sowie das Selbstvertrauen werden gestärkt.

«Das höchste Ziel im Karate Do ist weder Sieg noch Niederlage, sondern die Perfektion des menschlichen Charakters»

Ich will Euch an dieser Stelle ermutigen, versucht und nützt die Probetrainings, macht diesen magischen Schritt in das Dojo. Sie sind dafür geschaffen, um herauszufinden was gefällt. In jedem Dojo dieser Welt werdet Ihr freundlich empfangen und jeder hilft mit, dass Karate Eure Leidenschaft werden kann. Und jeder Karateka, der diesen Schritt gewagt hat, bereut ihn bis heute nicht. Es sind Glücksmomente und schöne Emotionen. Und erst recht, wenn die erste Kyu-Prüfung gemacht ist.

Eurer Rolf

PS: Ein Schwarzgurt, ist ein Weissgurt der nie aufgegeben hat…

 


© Beitrag von Rolf Oppenberg / 2020