Wabi Sabi

Wabi Sabi

Es gibt Momente im Training, die mir immer wieder tief zu denken geben. Es ist nicht die ausgeführte Technik, nicht die gelaufene Kata oder das Makiwara Training selbst. Es ist der Moment danach. Wenn der Atem noch schwer geht, Schweiss auf den Dojoboden tropft und gerade eine neue Erkenntnis gefunden worden ist. In diesem Moment, in dieser schönen, ehrlichen Unvollkommenheit, lebt der wahre Geist unseres Weges. Hier finden wir Wabi Sabi.

Wabi Sabi ist eine Denkweise, eine Haltung zum Leben und zum Lernen, die tief mit dem Weg des Karate-Do verwoben ist. Jeden Tag begegne ich in meinem Dojo dem «Wabi Sabi» und es lehrt mich oft mehr, als ich Euch lehren kann.

Aber was ist Wabi Sabi?

Es ist das perfekte Unperfekte, die Wertschätzung der unvollkommenen, vergänglichen und unvollständigen Schönheit.

Nach vielen Jahren habe ich zum Jahresabschluss mit meinem besten Freund und Begleiter des Karate-Do, Kumite trainiert. Wir sind beide etwas älter, nicht mehr 20 oder 30, Kraft und Schnelligkeit haben etwas nachgelassen…. Aber genau hier erkennen wir den Umgang mit Wabi Sabi das aus Mujo, Fukanzensei und Fukan besteht.
Für dieses wunderbare und inspirierende Training mit meinem Freund und Begleiter bin ich so dankbar.

Der vergängliche Körper und der ewige Geist (Mujo)

Mujo bedeutet die Unbeständigkeit aller Dinge. Nichts bleibt. Mein Körper ist die lebendige Lektion darin. Der junge, flexible Körper des 25-jährigen Rolf ist heute mit fast 60 Jahren etwas steifer. Die Schnelligkeit von früher hat sich verwandelt. Verletzungen und andere Einflüsse haben mein Training verändert.

Als ich jünger war, kämpfte ich gegen Mujo. Ich wollte an meiner Kraft, meiner Schnelligkeit festhalten. Doch im Dojo lehrt uns jede Trainingseinheit das Gegenteil: Jeder Tritt, jeder Schlag, jede Anstrengung ist ein einmaliger, vergänglicher Moment. Die perfekte Ausführung von gestern ist heute Geschichte. Sie muss heute neu geschaffen werden, mit dem Körper von heute.

Was heißt das für mich?

Es bedeutet, den gegenwärtigen Körper zu ehren – so wie er ist. Mein Training heute sieht nicht aus wie das von vor fünf oder zehn Jahren und wird auch nicht aussehen wie das in fünf oder zehn Jahren. Und das ist in Ordnung. Mujo befreit uns vom Vergleich mit unserem früheren Ich oder mit Anderen. Es lehrt uns, jeden Tag im Dojo anzukommen, so wie wir sind und mit dem zu arbeiten, was da ist. Die Schönheit liegt im engagierten, vergänglichen Jetzt der Anstrengung.

Die Anerkennung der Unvollkommenheit: Fukanzensei

Ich sehe heute mein Dojo als einen heiligen Raum des „Nicht-Perfekten“.

Als ich mit meinem Freund und Begleiter an diesem Tag Kumite trainiert habe und wir haben beide sehr sehr viel Erfahrung im Kumite, erkannte ich wieder Wabi Sabi.
Ich denke an mein allererstes Kumite Training: holprig, die Stellungen nicht optimal, die Distanzen mal zu weit, mal zu nahe. Nach dem 100. Mal war es besser, aber immer noch nicht „perfekt“. Nach dem 1000. Mal erkenne ich Feinheiten, die ich korrigieren kann. Es gibt kein Ende. Auch mit 60 Jahren erkenne ich immer noch Verbesserungsmöglichkeiten.

An diesem Tag war ich sehr glücklich und Wabi Sabi hat mich wieder ein Stück weitergebracht.

Wir üben «Kintsugi» an unserem Können: Wir erkennen die Risse und Unvollkommenheiten an und reparieren sie nicht mit unsichtbarem Kleber, sondern heben sie mit der goldenen Farbe unserer Aufmerksamkeit hervor. Sie werden Teil unserer einzigartigen Geschichte als Kampfkünstler. Mein Karate ist nicht dazu da, perfekt zu werden oder perfekt zu sein. Es ist dazu da, echt und authentische zu werden – mit allen Ecken, Kanten und wunderbaren Unvollkommenheiten, die das Alter mit sich bringt.

Die Kunst des Unfertigen (Fukan)

Fukan ist die Qualität des Unfertigen, Bescheidenen und Zurückhaltenden. Es ist die Leere, die Raum für Wachstum lässt. Das Unvollendete, das zur Vervollkommnung einlädt.

Am Ende unseres gemeinsamen Trainings verbeugen wir uns und sagen „Oss!“ oder „Arigatou gozaimashita!“. In diesem Moment ist die Trainingseinheit formal beendet, aber mein Weg ist es nicht. Die Techniken, die wir geübt haben, sind nicht „abgehakt“. Sie sind als Samen in mir gepflanzt. Sie werden in meinem Unterbewusstsein weiter reifen, bis zum nächsten Mal. Das Dojo ist nach dem Training leer und still – aber diese Leere (das Ma) ist voll von den Nachwirkungen unserer gemeinsamen Energie und dem Versprechen des morgigen Trainings.

Als Sensei ist Fukan meine wichtigste Leitlinie im Unterricht:
Ich sehe mich nicht als jemand, der Euch „vollständig“ macht oder Euch mit Wissen „auffüllt“. Meine Aufgabe ist es, einen Raum zu halten – einen Raum der Leere, in dem Ihr wachsen könnt. Ich gebe Impulse, korrigiere, stelle Fragen. Aber die wahre Arbeit, die Integration, geschieht in Euch. Meine beste Lektion ist manchmal die, bei der ich am wenigsten rede und einfach den Raum für Eure eigene Entdeckung öffne.

Wie wir Wabi Sabi gemeinsam im Dojo leben können:

    1. Trainiere den Körper von heute. Zwinge ihn nicht in die Form von gestern. Höre auf ihn. Respektiere seine Grenzen, feiere seine Möglichkeiten – genau jetzt.
    2. Umarme die Übung, nicht nur das Ergebnis. Die 99 „misslungenen“ Vorwärtsbewegungen (Yori-Ashi) sind nicht Niederlagen. Sie sind die 99 Schritte, die den 100., den besseren Schritt möglich machen. Der Prozess IST der Weg.
    3. Säubere das Dojo mit Hingabe. Das Soji, das Reinigen der Matte, ist die ultimative Wabi-Sabi-Praxis. Wir pflegen den Ort, der unsere Unvollkommenheiten trägt, der unsere Schweißtropfen und unsere Anstrengung aufnimmt. Wir ehren den Raum, der uns unfertig sein lässt.
    4. Sei ein lebendiges Kintsugi. Lass Deine Trainingsnarben, Deine kleinen Verletzungen, Deine hart erkämpften Fortschritte Teil Deiner Geschichte sein. Erzähle sie nicht als Geschichten des Scheiterns, sondern als goldene Reparaturen Deines Charakters.

In unserem Streben nach technischer Exzellenz dürfen wir nicht vergessen: Die perfekte Kata existiert nicht. Der unbesiegbare Körper existiert nicht. Der Meister, der nichts mehr zu lernen hat, existiert nicht.

Was existiert, ist dieser atemlose, schweißnasse, unvollkommene und absolut wahre Moment auf der Matte. Der Moment, in dem Du trotz Müdigkeit weitergehst. Der Moment, in dem Du einen Fehler machst, innehältst, Dich verbeugst und von vorne beginnst. Der Moment der Stille nach dem gemeinsamen Kiai.

Das ist Wabi Sabi. Das ist unser Weg.

Euer
Rolf


© Beitrag von Rolf Oppenberg

Die späte Erkenntnis

Die späte Erkenntnis

Manche Techniken, die im Dojo glänzen, lassen sich nicht immer auf den Ernstfall übertragen – eine Wahrheit, die viele Übende erst zu spät erkennen.

Das Dojo bietet uns Struktur, Kontrolle und Vorhersehbarkeit. Wir trainieren in einer sauberen Umgebung mit Partnern, die die Regeln respektieren und den Ablauf verstehen. Dadurch wirken bestimmte Bewegungen flüssig, kraftvoll und effektiv. Doch wenn das Chaos einer echten Konfrontation eintritt, ändert sich die Situation. Es gibt keine perfekte Stellung, keinen Neustart, keine sichere Distanz, keinen Schiedsrichter, der eingreifen kann. Es ist roh, unberechenbar und oft chaotisch.

Deshalb muss man als Kampfkünstler breit gefächert trainieren, alles aufnehmen und sein Können mit einem offenen Geist verfeinern. Man muss aber auch klug genug sein, zwischen Theorie und Praxis zu unterscheiden.

Eine Technik, die fünf perfekte Schritte erfordert, mag im Dojo schön aussehen, doch sobald das Adrenalin steigt und die Umgebung feindselig wird, überleben nur die einfachsten, direktesten und natürlichsten Bewegungen. Im echten Kampf zählt Effizienz, nicht Eleganz. Er verlangt Anpassungsfähigkeit, keine auswendig gelernte Choreografie.

Trainiere alles, erforsche jede Technik, aber behalte nur das, was wirklich nützlich ist. Was kannst du unter Stress umsetzen? Worauf kannst du dich verlassen, wenn dein Herz rast und deine Gedanken überschlagen? Das ist es, was deine wahren Fähigkeiten ausmacht.

Letztendlich geht es in den Kampfkünsten nicht nur darum, unter kontrollierten Bedingungen gut auszusehen. Es geht darum, Geist und Körper auf die wirklich wichtigen Momente vorzubereiten. Trainiere hart, bleibe bescheiden und sei stets bereit, dich anzupassen.


© Beitrag von Rolf Oppenberg

Die Kunst des Einen: Was 53 Jahre Karate mir über ein ganzes Leben lehrten

Die Kunst des Einen: Was 53 Jahre Karate mir über ein ganzes Leben lehrten

Es beginnt mit einem Schritt. Einem Fauststoß. Einem Atemzug. Für die meisten ist Karate ein Hobby, ein Sport, vielleicht eine Leidenschaft. Für mich wurde es zu etwas ganz anderem: zur Landkarte meines Lebens, zur Sprache meiner Seele, zum einzigen Ort, an dem ich vollständig ich selbst bin.

Man fragt mich manchmal: „Fünf, sechs Stunden jeden Tag? Seit 53 Jahren? Was gibt einem das? Und… hat es sich gelohnt? Hast du nichts verpasst?“

Die Antwort ist komplex und einfach zugleich. Sie liegt nicht in einer Trophäe oder einem schwarzen Gürtel, sondern in etwas, das schwer in Worte zu fassen ist: das vollständige Verschmelzen mit dem, was man tut.

Die Leere und die Fülle

In den ersten Jahren trainierte ich den Körper. Die Muskeln brannten, die Techniken waren holprig, der Geist war erfüllt von Selbstzweifel und dem Drang, besser zu sein als andere. Doch mit der Zeit, mit der unendlichen Wiederholung der Kihon (Grundschule), begann sich etwas zu verschieben.

Das Denken hörte auf. Der innere Monolog verstummte. Wenn ich eine Kata übte, war ich nicht länger der Ausführende, der beobachtet wurde. Ich war die Kata. Die Bewegung und der Bewegende wurden eins. Dieser Zustand des „Mushin“ – des leeren Geistes – ist nicht etwa eine Leere der Bedeutungslosigkeit, sondern eine Fülle an purer Präsenz. In diesen Stunden gibt es keine Sorgen von gestern, keine Ängste von morgen. Es gibt nur den Schnitt der Faust durch die Luft, das Geräusch des Atems, das Gefühl des Holzbodens unter den Füßen.

Was gibt mir das? Es gibt mir absolute Klarheit. In einer Welt des Lärms und der Ablenkung ist das Dojo mein Tempel der Stille. Diese tägliche Praxis ist wie das Zurücksetzen einer Waage. Sie bringt mich immer wieder auf den Nullpunkt meines Seins zurück.

Der Preis und das Geschenk

Ja, die Frage nach dem, was ich verpasst habe, ist berechtigt. Habe ich die lockeren Abende in Kneipen vermisst? Die spontanen Urlaubsreisen? Die Karriere, die vielleicht mehr Geld oder Status gebracht hätte? Ehrlich gesagt, manchmal, in jungen Jahren, schaute ich aus dem Dojo-Fenster und sah die anderen lachen und gehen. Es gab einen leisen, neidischen Widerhall in mir.

Doch mit der Zeit erkannte ich: Ich habe nichts verpasst, ich habe etwas anderes gewählt.

Ich wählte die Tiefe über die Breite.
Ich wählte Meisterschaft über Vielfalt.
Ich wählte die Einsamkeit des Weges, um niemals wirklich allein zu sein.

Während andere das Leben in seiner horizontalen Vielfalt genossen – viele verschiedene Erfahrungen sammelten –, entschied ich mich dafür, es in die Tiefe zu erforschen. Ich grub einen Brunnen, anstatt viele kleine Löcher zu graben. Und aus diesem Brunnen schöpfe ich heute ein Wasser, das mich nährt und erfrischt, wie nichts anderes es könnte.

Ich „genoss“ nicht im herkömmlichen Sinne. Ich erlebte etwas viel Intensiveres: ich erfüllte mich. Die Freude, nach Jahren endlich eine Bewegung zu verstehen, die nicht nur im Körper, sondern auch im Geist ankommt, ist größer als jeder kurzfristige Rausch. Die Gemeinschaft im Dojo, die auf gemeinsamem Schweiß und Respekt basiert, ist tiefer als so manche oberflächliche Freundschaft.

Das Echo im Alltag

Diese Hingabe formt einen Menschen. Sie lehrte mich Disziplin, die nicht erzwungen, sondern geliebt wird. Sie lehrte mich Geduld – mit mir selbst und mit anderen. Sie zeigte mir, dass wahre Stärke nicht darin liegt, andere zu besiegen, sondern darin, die eigenen Grenzen immer wieder zu erkennen und sanft zu erweitern.

Die Konzentration, die ich im Dojo entwickelte, floss in jede meiner Tätigkeiten. Die Achtsamkeit, die ich für meinen Körper lernte, machte mich achtsamer im Umgang mit meinen Mitmenschen. Karate war nie nur eine Kampfkunst; es war eine Lebenskunst.

Habe ich etwas verpasst? Vielleicht. Aber ich habe etwas unendlich Wertvolleres gefunden: mich selbst.

Am Ende ist es nicht die Frage, ob man fünf Stunden am Tag Karate trainiert oder fünf Stunden am Tag Geige übt, ein Handwerk meistert oder die Natur erforscht. Die Frage ist: Kannst du in einer Sache so ganz aufgehen, dass du darin die ganze Welt findest?

Für mich war die Antwort ein stummer, jahrzehntelanger Schrei der Seele, der in der Leere der Trainingshalle widerhallte und als vollkommene Stille zu mir zurückkehrte. Es war die Mühe wert. Es ist es immer noch. Jeden Tag!


© Beitrag von Rolf Oppenberg

Alte Tradition mit modernem Karate: Die Seele der Kampfkunst bewahren…

Alte Tradition mit modernem Karate: Die Seele der Kampfkunst bewahren…

Karate ist mehr als nur ein Sport oder Selbstverteidigungssystem – es ist eine jahrhundertealte Kampfkunst mit tiefen philosophischen Wurzeln.
In einer Zeit, in der Karate oft auf Wettkämpfe und spektakuläre Techniken reduziert wird, ist es wichtiger denn je, die traditionellen Werte und Prinzipien zu bewahren. Doch wie lässt sich das Alte mit dem Modernen verbinden, ohne den Geist des Karate zu verlieren?

Die Wurzeln des Karate bestehen aus Bushido und Disziplin. Traditionelles Karate basiert auf dem Bushido, dem Weg des Kriegers.
Respekt, Ehre, Selbstbeherrschung und Demut sind keine blossen Floskeln, sondern essenzielle Bestandteile der Kampfkunst. Die alten Meister wie Gichin Funakoshi aber auch Chōjun Miyagi betonten stets, dass Karate nicht nur den Körper, sondern auch den Charakter schult.

Im modernen Training geht dieser Aspekt oft verloren. Viele Schulen konzentrieren sich auf schnelle Fortschritte, Gürtelprüfungen und Turniererfolge. Doch wahres Karate lebt durch die innere Haltung:

    • Rei (Respekt): Die Verbeugung ist kein bloßes Ritual, sondern eine bewusste Ehrung des Gegenübers und dem Leben selbst
    • Makoto (Aufrichtigkeit): Karate soll nicht zur Selbstdarstellung dienen, sondern zur persönlichen Weiterentwicklung
    • Fudōshin (Unerschütterlichkeit): Ein ruhiger Geist in jeder Situation, ob im Kampf oder im Alltag

Moderne Anpassungen, jedoch ohne die Tradition zu opfern !
Natürlich hat sich Karate weiterentwickelt und das ist auch gut so. Neue Trainingsmethoden, sportwissenschaftliche Erkenntnisse und ein sicherer Wettkampfrahmen haben ihren Platz. Doch die Gefahr besteht, dass die Essenz des Karate verwässert wird, wenn nur noch auf Effizienz und Spektakel gesetzt wird.

Wie können wir also Tradition und Moderne verbinden?

    1. Kata mit Verständnis üben – Nicht als leere Bewegungsabfolge, sondern als lebendiges Erbe, welches reale Anwendungen (Bunkai) und Prinzipien vermittelt
    2. Kihon als Meditation praktizieren – Grundschultechniken sollen nicht nur Kraft aufbauen, sondern Achtsamkeit und Präzision lehren
    3. Kumite mit Respekt ausführen – Freikampf sollte nicht nur auf Punktejagd ausgerichtet sein, sondern als Übung für Geist und Technik dienen

Die Zukunft des Karate ist die Rückbesinnung auf das Wesentliche…
Karate ist kein Produkt der Moderne, sondern eine Lebensphilosophie. Die Herausforderung besteht darin, die alten Lehren in unsere Zeit zu übertragen, ohne sie zu verfälschen. Wer Karate nur als Sport betreibt, verpasst seinen wahren Wert.

Es liegt an uns Trainierende und Lehrer, die Tradition zu bewahren. Nicht durch starres Festhalten an alten Formen, sondern durch das Verständnis ihrer Bedeutung. Denn nur so bleibt Karate nicht nur eine Kampfkunst, sondern ein Weg zur persönlichen Meisterschaft.

„Das höchste Ziel im Karate ist nicht der Sieg oder die Niederlage, sondern die Perfektion des Charakters.“ (Gichin Funakoshi)

Ich bin im Februar 1967 geboren, viele Traditionen gehen über Jahrzehnte, Jahrhunderte verloren. Wir alle sollten uns bemühen, Traditionen zu wahren und pflegen. Auch wenn wir nur wenige kennen…

Aber in einem bin ich mir ganz sicher – die älteste Tradition, die wir alle kennen sollten und die in jedem Elternhaus weitergegeben wird ist:

    • Freundlichkeit
    • Ehrlichkeit
    • Hilfsbereitschaft
    • Loyalität
    • Achtsamkeit
    • Aufrichtigkeit
    • usw.

Das ist es, was man Bushido nennt in Verbindung mit der Kampfkunst. Der Weg des Kriegers.

Euer
Rolf


© Beitrag von Rolf Oppenberg

Versuch und Irrtum

Versuch und Irrtum

Entwickle Deinen eigenen Weg durch Versuch und Irrtum. Jeder Karateka, der schon sehr lange den Weg des Karate-Do geht, kommt irgendwann an den Punkt, sein persönliches Karate zu entwickeln. Wir reden hier von Nuancen, ein Karate was auf den eigenen persönlichen Körper abgestimmt ist.

Im Karate ist Tradition wichtig, sie gibt Struktur, Geschichte und eine Grundlage. Tradition sollte jedoch kein Hindernis für persönliches Wachstum sein. Versuche Dein Training kritisch zu hinterfragen. Wenn etwas nicht zu deinem Körpertyp, deinem Timing oder deiner Denkweise passt, bist du bereit es anzupassen und Alternativen zu erkunden?

Vielleicht wurde Dir eine bestimmte Haltung oder ein bestimmter Block auf eine bestimmte Art beigebracht. Du hast sie unzählige Male geübt, aber sie fühlt sich beim Kumite immer noch ungewohnt oder ineffektiv an. Machst du es immer noch, nur weil Du es schon immer so gemacht hast? Oder beginnst du zu experimentieren und zu testen, welche Anpassungen sich natürlicher anfühlen und trotzdem ihren Zweck erfüllen?

Versuch und Irrtum tragen dazu bei, dass du wächst, nicht nur in der Technik, sondern auch im Verständnis. Du lernst durch Erfahrung, nicht nur durch Wiederholung, was für dich funktioniert. Das bedeutet nicht Traditionen über Bord zu werfen. Es bedeutet daraus zu lernen, sie zu hinterfragen und den eigenen Ansatz anhand von Erfahrungen aus der Praxis zu verfeinern.
Frage Dich, wo Du in deinem Training die Übungen einfach gedankenlos ausführst? Was hast Du als „den richtigen Weg“ akzeptiert, nur weil es Dir jemand gesagt hat? Und bist Du bereit in das nötige Training zu investieren, um Deinen eigenen Weg zu finden?

Meisterschaft kommt nicht durch blinde Wiederholung. Sie entsteht durch Verstehen, Hinterfragen und Lernen durch Erfahrung.

Der Shotokan-Stil legt großen Wert auf alle drei Säulen des traditionellen Karate: Kihon, Kata und Kumite. Die wichtigste dieser drei Säulen ist jedoch Kihon! Der Grundstein von allem.
Ich bin davon überzeugt, dass die starke, präzise und kraftvolle Grundlage, für gute Katas und effektives Kumite unerlässlich sind. Ohne starke Grundlagen kann nichts bestehen.
Jede Technik, vom Oi-Zuki bis zur fortgeschrittenen Technik, alles wird zerlegt und perfektioniert. Schüler wiederholen Kihonbewegungen tausende Male, um folgendes zu entwickeln:
• Form (姿勢 – Shisei)
• Kraft (力 – Chikara)
• Gleichgewicht und Koordination
• Atmung und Kime (Konzentration)

Während Kihon die Grundlage bildet, trifft die Kata auf Technik, Geist und Rhythmus. Ich lege hier Wert auf Bunkai (Anwendungen), nicht traditionelles Bunkai, sondern effektives Bunkai und volles Kime in jeder Bewegung. Kata lehrt die mentale und emotionale Seite des Kampfes – es geht nicht um Choreografie, sondern um Einzelkampf.

Das Kumite (insbesondere traditionelles Ippon und Jiyu-Ippon) ist eine Erweiterung von Kihon und Kata. Es testet deine Fähigkeiten, Abstand und Timing zu wahren sowie saubere Techniken unter Druck anzuwenden, deine Kraft zu kontrollieren und Respekt zu zeigen
Kumite ist kein Punktkampf, sondern eine Methode, realistische, explosive und disziplinierte Kampffähigkeiten zu entwickeln.
Kihon ist der Samen, Kata die Wurzel, Kumite die Blüte.“
Beherrsche die Grundlagen, verkörpere sie in Kata, drücke sie im Kumite aus.

Karate bedeutet für mich, wie kontrolliere ich meinen Körper? Es geht mir darum, dass ohne diese Kontrolle (körperliche, geistige und mentale) es nicht möglich ist zu kämpfen oder eben nicht zu kämpfen.

Euer
Rolf


© Beitrag von Rolf Oppenberg

Kata, ein Vertrag mit dem Leben

Kata, ein Vertrag mit dem Leben

Wir werden alle älter. Die Kraft, Geschwindigkeit und Beweglichkeit nehmen ab und gesundheitliche Einschränkungen fordern ihren Tribut. Das Wissen hingegen nimmt stetig zu und daher kommt meine persönliche Erkenntnis über Katas.

Die Kata, ist in ihrer reinsten Essenz die Seele des Karate. Ich erinnere mich, als ich in Okinawa lebte, sagte man mir immer: „Karatetraining besteht zu 60% aus Kata-Training, 25% aus Makiwara-Training und zu 15% aus Kumite-Training“. Eine Formel die mir irgendwann nur noch latent in Erinnerung war.

Die Kata ist nicht nur eine Reihe von Bewegungen, die in einer Choreographie gelaufen wird; es ist vielmehr eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Eine Leinwand, auf der Geschichte, Philosophie und Ausübung der Kampfkunst festgehalten wird. Wie ein uraltes Manuskript, birgt jede Kata Geheimnisse, die nur Zeit, Hingabe und Demut enthüllen können.

Wenn ein Karateka am Anfang seiner Karate-Reise mit der Kata beginnt, nimmt er sie als eine Reihe von Techniken wahr. Jeder Schlag, Stoss, Block und die Körperhaltung werden mit fast mechanischem Ansatz ausgeführt. Als würden wir ein Buch lesen, das in einer anderen Sprache geschrieben ist, die uns fremd ist. Dieser Anfang ist jedoch wichtig, denn der Körper beginnt, obwohl wir es noch nicht verstehen, zu lernen.

Vor allem in der Wettkampfphase bleibt die Kata einfach eine Kata. Wir präsentieren diese den Schiedsrichtern bei Prüfungen und Vorführungen. Keiner macht sich tiefgründige Gedanken über die Essenz dieser Kunst.
Erst nach vielen Jahren des Wettkampfes und des Trainings erkennt man, Karate/Kata/Kumite ist keine Kunst der Aggression, sondern der Selbsterkenntnis und Kontrolle. Jede Technik hat einen defensiven Zweck, jede Haltung und Stellung ein Grund zum Sein.

In dieser Zeit der Veränderung stellen wir fest, dass eine Kata keine feste, sondern eine lebendige Sache ist. Über Jahrhunderte und Generationen wurde eine Kata immer wieder angepasst, um ihrer Zeit entsprechend, Körper und Verständnis widerzuspiegeln.
Dieser Prozess der Veränderung lehrt uns, dass Karate, wie das Leben, nicht statisch ist.
Eine weitere Herausforderung kommt hinzu, wenn wir versuchen, die Weite und Tiefe in einer einzigen Kata zu ergründen. Bunkai (nicht 0815 Bunkai), sondern die Suche nach dem echten Kampf. Spätestens hier erkennen wir, dass Kata nicht nur Technik lehrt, sondern Geduld, Demut und Akzeptanz. Wir werden nie alles erfahren aber genau dies ist unsere Herausforderung im Tun.

Im Alter verwandelt sich die Kata in einen Spiegel des Lebens. Jede Bewegung, tausende Male wiederholt, wird nicht mehr mit purer Kraft, sondern mit purer Absicht ausgeführt.
Was am Anfang physisch war, ist jetzt geistig und vielleicht auch etwas spirituell. Jetzt lehrt uns die Kata anmutig zu altern, unsere Grenzen zu akzeptieren und Schönheit im Einfachen zu finden.

Vielleicht im philosophischen Sinne:
Kata schliesst alles ein, weil es ein Spiegelbild des Lebens ist.
• Jede Technik hat einen Grund
• Jede Haltung eine Absicht
• Jede Pause eine Bedeutung
Es lehrt uns, uns gezielt zu bewegen, zu denken bevor wir handeln und die Einfachheit niemals als selbstverständlich anzusehen.

Letztendlich erinnert uns die Kata daran, dass es beim Karate nicht um Sieg oder Niederlage geht. Sondern um das Gleichgewicht zu finden; mit sich selbst und der Natur

Euer Rolf


© Beitrag von Rolf Oppenberg

Die stille Kraft

Die stille Kraft

Ich habe mein Leben dem Karate-Do / Budo verschrieben und das seit nunmehr 50 Jahren. Obwohl mich die dynamischen Bewegungen und das tiefe Ergründen dessen, was unsere Vorfahren entwickelt haben fasziniert, ist es das Geheimnisvolle in diesem Kampfsport das mich fesselt. Unsere Vorfahren und Gründer des Karate haben uns eine «Zeitkapsel» hinterlassen, die es zu erforschen gilt.
Aber was mich noch mehr beeindruckt, ist die Stille in den Handlungen und Bewegungen. In dieser Stille sehe ich die Magie des Karate. Wenn ich am Makiwara trainiere, sind die Zukis «still». Erst beim Einschlag auf das Makiwara entfalteten sie ihre tödliche Kraft. So ist es auch bei allen anderen Techniken, sofern diese korrekt ausgeführt werden. Dies allein ist schon eine hohe Kunst.
Aber was ist es, das  mich so magisch anzieht?
Es ist das unbeschwerte, losgelöste Sein von allem – nur der Raum, das Makiwara und ich. Es macht mich glücklich und zeigt mir auf, dass es zum glücklich und zufrieden sein nicht viel braucht. Keinen Luxus, keine Statussymbole usw.

In diese «Stille» zu horchen und sich selber fühlen. Eine Gelassenheit zu empfinden die sich völlig unbeschwert anfühlt. Das ist die Magie des Karate.
In dieser Magie fühle ich mich stark und unverletzlich, aber auch bestätigt in dem was ich lebe. Den Weg des Karate-Do/Budo.

Es scheint, dass in der heutigen Gesellschaft alles auf das rein Empirische reduziert wird. «Funktioniert es auf der Strasse oder im Ring?» usw.
Ich kann hier nur sagen, es wird immer einen Stärkeren geben und an dieser Stelle –  (ein Kampf ist immer und in jedem Fall die schlechteste Wahl von vielen Optionen).

Aber ich würde sagen, dass die «Stille», welche ich in meinen eigenen Trainingseinheiten erlebe, auch im Leben funktioniert.
Auch dort lebt die Magie, das Geheimnisvolle und die Romantik.

Ich denke, als Kultur haben wir uns von dieser ehrfurchtgebietenden menschlichen Herangehensweise entfernt. Ohne sie gibt es nur die Spaltung durch «dieses oder jenes», was einen Mangel an Verbindungen aufzeigt.

Das freie Sein, frei sein von jeglichem Luxus, von Statussymbolen, Ansehen usw., das ist für mich wirklicher Luxus und ermöglicht genau das, dass man die «Stille» erkennen, fühlen, sehen, geniessen und leben kann.
Eins sein mit dem was man liebt und tut, das ist die innere Stille. Ich behaupte aber auch, dass es nur möglich ist diese «Stille» zu erleben, wenn man sich im dritten bzw. letzten Lebensabschnitt befindet, Dann, wenn die wilden Jahre vorbei sind und genug Erfahrung gesammelt wurde.

Ich frage mich, wie die Welt wohl aussehen würde, wie unsere Politik  und wie würde das aussehen was wir lieben, wenn wir den Weg zurück in diese «Stille» finden könnten.

Was wäre, wenn die Menschen diese «Stille» erkennen würden?

    • Gäbe es noch das Übermass an Agressionen?
    • Gäbe es noch das Übermass an materieller Gier?
    • Gäbe es noch das Übermass an Machtstreben?
    • Gäbe es noch…

Die Welt und Gesellschaft sind überaus herausfordernd und unberechenbar. Umso wichtiger wird es, die Magie der Stille zu finden.

Anmerkung: Bitte verwechsle dies nicht mit der emotionaler Macht! Denn jene ist auch still, aber die Gefährlichste von allen!


© Beitrag von Rolf Oppenberg

50 Jahre Karate, 10 Jahre SKAI

Warum mache ich das?

Immer wieder kommt ein Anflug von Sinnlosigkeit in mir auf, wenn ich schweissgebadet im Dojo stehe und mich förmlich zerfleischt habe. Heute weiss ich, dass ein grosser Teil davon der Bestätigung der eigenen Stärke, dem selbstbewundernden Blick in den Spiegel und der unendlichen Lust an dem erschöpfenden Tun geschuldet war und noch immer ist – im Wissen um das Wohlgefühl nach dem Training.
Und dennoch, nach einem solchen Training war oftmals eine neue Erkenntnis in mir, vielleicht sogar eine neue Fähigkeit. Etwas, was besser geworden ist. Wie befriedigend das doch ist!

Warum machst Du das?

Ist das, was ich hier geschrieben habe, nicht Sinn genug?

Viele Fragen stehen jeden Morgen mit mir auf. Fragen über die Tiefgründigkeit des Karate und Budo, Fragen des Alltags, Fragen der Gesellschaft, der Philosophie etc. Nur wenige Antworten gehen abends mit mir schlafen.

Aber ich weiss darum, dass diese Antworten immer beeinflusst sind aus meinem Erleben, Denken, Üben im Budo. Budo in der Form, wie es mir das Karate ermöglicht. Budo, das für mich immer mehr von der Philosophie des Zen beeinflusst wird.

Ich lebe ein altes Karate, old school. Nicht nur, weil ich schon etwas älter bin, sondern weil ich immer noch das ergründen will, was Männer und Frauen über Generationen, oftmals mit ihrem Blut, entwickelt haben. Was Denker über Generationen ergründet haben.

Ich bin in meinem Wesen dem Kampf zugeneigt. Aus dieser Neigung, diesem grundlegenden Charakterzug zu lernen, das ist mein Weg zu lernen. Sehr einfach. Es liegt mir, das ist mein Talent.

Manche machen dies, andere das … Ich kämpfe! Würde ich diesen Weg nicht gehen, würde ich keine Erfüllung erfahren.

Das heutige Karate (Sportkarate) bietet mir nicht mehr die Bühne für mein Wesen. Daher bleibt mir nichts anderes übrig, als im alten traditionellen, reellen und realen Karate weiter zu forschen und noch tiefer einzutauchen.

Was ist der Sinn des Budo in mir, in dem ich mich als Kämpfer erkenne?

Der Sinn ist zum inneren und äusseren Frieden zu gelangen.

Wie komme ich zum inneren und äusseren Frieden?

Indem ich das Wesen des Kampfes erkenne und durchdringe. Das ist aus meiner Sicht Budo. Das ist aus meiner Sicht der Sinn und Zweck des körperlichen und nicht körperlichen Karate. Das ist nicht Karate-Sport, das ist das, was man Karate-Do nennt.

So wird es für mich immer ein Spagat sein, «heutige» Schülerinnen und Schüler zu begeistern mit altem Karate.

Für meine Schülerinnen und Schüler

Rolf Sensei


© Beitrag von Rolf Oppenberg

Wahres Karate

Wahres Karate

Immer wieder werde ich gefragt, was das «WAHRE KARATE» ist? Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mir diese Frage noch nie gestellt hätte.

Meine ganz persönliche Meinung dazu wie ich vielleicht den Karatekas aber auch diejenigen die mit Karate beginnen möchten, einen Denkanstoss mitgeben kann, möchte ich hier darlegen.

Aber wie gesagt, es ist meine ganz persönliche Meinung zum WAHREN KARATE. Auch möchte ich niemandem zu nahe treten, der vielleicht eine andere Ansicht vertritt.

Gerne antworte ich jedoch mit klaren Worten, was das WAHRE KARATE aus meiner Sicht nicht ist:

In vielen Karateschulen wird ausschliesslich der sportliche Aspekt des Karate in den Vordergrund gestellt, weil es für die breite Öffentlichkeit attraktiver und lukrativer ist und viel einfacher zu unterrichten ist, ohne dass man tiefgründige Kenntnisse vom Karate haben muss. Medaillen und Pokale haben Vorrang vor den geistigen, mentalen und körperlichen Vorteilen, die echtes Karate bietet. Es gibt keine Medaillen und Pokale für den Erwerb eines guten Charakters, keine Trophäe für Etikette, keine Auszeichnung für die Entwicklung von Selbstvertrauen, Bewusstsein, Ehre und Loyalität.

Die Überlegung, wie kann ich heutzutage an einem Karateturnier einen Punkt machen, ist weit entfernt von dem Gedanken, «wie kann ich in einem echten Kampf» bestehen. Es ist different, ob man nach Wettkampfregeln trainiert um ein Turnier zu gewinnen, oder ob man für das wirkliche reale Leben trainiert. Das Leben hat keine Regeln, ausser den moralischen und den gesetzlichen. Aber der wirkliche reale Kampf kennt keine Regeln.

Diejenigen, die viele Jahre im wahren Karate durchhalten, erhalten die grösste Belohnung, die Befriedigung und Erfüllung auch als Trainer, wenn sie die Ergebnisse sehen, die sie durch die Weitergabe der Ethik, Weisheit und des Wissens an die Karateschüler erzielt haben.

Das ist für mich WAHRES KARATE.

SKAI Switzerland / Kusuikan steht für wahres, echtes, reelles und reales Karate. Wir verstehen das Karate als eine Kampfkunst, welche Menschen jeglichen Alters befähigt Situationen des Alltags leichter zu beherrschen, aber auch in Situationen zu bestehen, in denen es gilt sich selbst oder andere zu verteidigen.

Das Grundprinzip des Karate in meinem Dojo folgt dem Prinzip, die Fähigkeit zu erlangen jeglichen Kampf in kürzester Zeit zu beenden.


© Beitrag von Rolf Oppenberg

Ein explosives Thema

Ein explosives Thema

Jeder kennt es vielleicht von sich selber, ein falsches Wort, eine Situation, etwas Nerviges, im Stau, Stress am Arbeitsplatz, schreiende Kinder oder schlechte Laune…
Und wir gehen hoch wie eine Bombe, wir explodieren von der einen Sekunde auf die andere.

Oft hören wir dann, das sei dünnhäutig, genervt oder gestresst, was auch immer…

Ich sage zu dem ganz einfach, das war eine sehr kurze Zündschnur!

Ja, diese Zündschnur ist manchmal sehr sehr kurz. Und da stellt sich bei mir die Frage, sind wir in der Lage durch den Weg des Karate-Do/Budo diese Zündschnur zu beeinflussen? Können wir durch das jahrelange Karatetraining gelassen bleiben? Die Zündschnur lang halten, so dass wir eben nicht explodieren? Ich nenne dies auch den inneren Kampf mit sich selber zu bestehen.
Je länger man Karate oder Kampfkunst betreibt und trainiert, so kommt irgendwann die Erkenntnis, dass jeder Kampf sinnlos ist.
Gewinnen ohne physisch Kämpfen zu müssen, wird zur mentalen Stärke und Herausforderung.

Es geht hier nicht um die Frage, ob dies gute oder schlechte Eigenschaften sind. Es wird immer situationsabhängig sein. Ich denke jedoch, dass eine zu kurze Zündschnur, oder aber auch eine zu lange Zündschnur (Blindgänger), nicht optimal sein kann.
Meine Antwort: Ja, wir können durch Kampfsport unsere Emotionen steuern und wir können unsere Zündschnur beeinflussen, aber nur gegen aussen, so dass es nicht sichtbar wird. Innerlich, in uns selbst, wird es anders aussehen. Da sind immer Gefühle im Spiel, welche wichtig für uns sind. Ohne Gefühle sind wir wie gestorben, ohne es bemerkt zu haben.

In diesem Sinne, kontrolliert Eure Zündschnur und trainiert Karate!

Rolf


© Beitrag von Rolf Oppenberg