Versuch und Irrtum

Versuch und Irrtum

Entwickle Deinen eigenen Weg durch Versuch und Irrtum. Jeder Karateka, der schon sehr lange den Weg des Karate-Do geht, kommt irgendwann an den Punkt, sein persönliches Karate zu entwickeln. Wir reden hier von Nuancen, ein Karate was auf den eigenen persönlichen Körper abgestimmt ist.

Im Karate ist Tradition wichtig, sie gibt Struktur, Geschichte und eine Grundlage. Tradition sollte jedoch kein Hindernis für persönliches Wachstum sein. Versuche Dein Training kritisch zu hinterfragen. Wenn etwas nicht zu deinem Körpertyp, deinem Timing oder deiner Denkweise passt, bist du bereit es anzupassen und Alternativen zu erkunden?

Vielleicht wurde Dir eine bestimmte Haltung oder ein bestimmter Block auf eine bestimmte Art beigebracht. Du hast sie unzählige Male geübt, aber sie fühlt sich beim Kumite immer noch ungewohnt oder ineffektiv an. Machst du es immer noch, nur weil Du es schon immer so gemacht hast? Oder beginnst du zu experimentieren und zu testen, welche Anpassungen sich natürlicher anfühlen und trotzdem ihren Zweck erfüllen?

Versuch und Irrtum tragen dazu bei, dass du wächst, nicht nur in der Technik, sondern auch im Verständnis. Du lernst durch Erfahrung, nicht nur durch Wiederholung, was für dich funktioniert. Das bedeutet nicht Traditionen über Bord zu werfen. Es bedeutet daraus zu lernen, sie zu hinterfragen und den eigenen Ansatz anhand von Erfahrungen aus der Praxis zu verfeinern.
Frage Dich, wo Du in deinem Training die Übungen einfach gedankenlos ausführst? Was hast Du als „den richtigen Weg“ akzeptiert, nur weil es Dir jemand gesagt hat? Und bist Du bereit in das nötige Training zu investieren, um Deinen eigenen Weg zu finden?

Meisterschaft kommt nicht durch blinde Wiederholung. Sie entsteht durch Verstehen, Hinterfragen und Lernen durch Erfahrung.

Der Shotokan-Stil legt großen Wert auf alle drei Säulen des traditionellen Karate: Kihon, Kata und Kumite. Die wichtigste dieser drei Säulen ist jedoch Kihon! Der Grundstein von allem.
Ich bin davon überzeugt, dass die starke, präzise und kraftvolle Grundlage, für gute Katas und effektives Kumite unerlässlich sind. Ohne starke Grundlagen kann nichts bestehen.
Jede Technik, vom Oi-Zuki bis zur fortgeschrittenen Technik, alles wird zerlegt und perfektioniert. Schüler wiederholen Kihonbewegungen tausende Male, um folgendes zu entwickeln:
• Form (姿勢 – Shisei)
• Kraft (力 – Chikara)
• Gleichgewicht und Koordination
• Atmung und Kime (Konzentration)

Während Kihon die Grundlage bildet, trifft die Kata auf Technik, Geist und Rhythmus. Ich lege hier Wert auf Bunkai (Anwendungen), nicht traditionelles Bunkai, sondern effektives Bunkai und volles Kime in jeder Bewegung. Kata lehrt die mentale und emotionale Seite des Kampfes – es geht nicht um Choreografie, sondern um Einzelkampf.

Das Kumite (insbesondere traditionelles Ippon und Jiyu-Ippon) ist eine Erweiterung von Kihon und Kata. Es testet deine Fähigkeiten, Abstand und Timing zu wahren sowie saubere Techniken unter Druck anzuwenden, deine Kraft zu kontrollieren und Respekt zu zeigen
Kumite ist kein Punktkampf, sondern eine Methode, realistische, explosive und disziplinierte Kampffähigkeiten zu entwickeln.
Kihon ist der Samen, Kata die Wurzel, Kumite die Blüte.“
Beherrsche die Grundlagen, verkörpere sie in Kata, drücke sie im Kumite aus.

Karate bedeutet für mich, wie kontrolliere ich meinen Körper? Es geht mir darum, dass ohne diese Kontrolle (körperliche, geistige und mentale) es nicht möglich ist zu kämpfen oder eben nicht zu kämpfen.

Euer
Rolf


© Beitrag von Rolf Oppenberg